Vielen Patienten ist der Besuch beim Zahnarzt unangenehm, obwohl wir uns bemühen, Ihren Aufenthalt so angenehm, wie möglich zu gestalten. Doch manchmal kommen Menschen, die „richtige“ Angst vor den Zahnbehandlungen haben. Bei Angstpatienten werden Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleisches oft nicht früh genug behandelt, mit der Folge des Zahnverlustes.

Der Psychologe Daniel Hauenstein beschäftigt sich mit Ängsten. Wir haben ihn gebeten, uns die «Angst vor dem Zahnarzt» und Behandlungsmöglichkeiten zu erklären.

Was ist Zahnarztangst?

Angst vor dem Zahnarzt ist nicht bei jedem Patienten gleich. Es gibt drei Arten:

  • Nicht krankhafte Zahnbehandlungs-Angst
  • Dentalphobie
  • Odontophobie

Die nicht krankhafte Angst vor einer Zahnbehandlung ist weit verbreitet. Manche Patienten schieben ihre Zahnbehandlungen auf, aber nehmen die Behandlungstermine dann doch wahr. Sie erleben den Besuch beim Zahnarzt zwar als sehr unangenehm, haben aber keine schwerwiegenden Angst- oder Panik- Symptome.

Die nicht krankhafte Angst vorm Zahnarzt kann auch in extreme Angst, Hilflosigkeit oder Schmerzen münden. Die betroffenen Patienten fallen dann in ein andauerndes Trauma. Dieses kann chronisch werden. Daraus kann sich eine Dentalphobie oder Odontophobie entwickeln.

Dentalphobie
Patienten mit Dentalphobie ängstigen sich vor Spritzen und Behandlungsgeräten. Die Dentalphobie kann mit therapeutischen Maßnahmen behandelt werden. Die „Entkopplung“ geschieht innerhalb einer angemessenen Psychotherapie mit Systematischer Desensibilisierung (eine Art Verhaltenstherapie) sowie Durchführung von Hypnotherapie (siehe unten).

Odontophobie
Dieses ist eine spezifische Angststörung und krankhafte Phobie. Sie begründet sich mit der Angst vor Zähnen oder der Zahnbehandlung, daher meidet der Odontophobiker Zahnärzte und entzieht sich notwenigen Zahnbehandlungen.

Ursachen einer Dentalphobie oder einer Odontophobie

Am häufigsten sind negative und / oder schmerzhafte Erfahrungen beim Zahnarztoft in der Kindheit. Ein fortbestehendes Trauma basiert auf einem Erlebnis, bei dem während des Ereignisses intensive Angst, Schrecken oder große Hilflosigkeit erlebt wurde. Auch Verzahnungsprobleme, so genannte Malokklusionen (komplizierte und funktionell bedingte Zahn-, Kiefergelenk- und Muskelerkrankungen) können die Ursache für Angst sein.

Lösungen bei Angst vor Zahnbehandlungen

  • Behandlung unter Vollnarkose: Sie löst das Problem der Phobie nicht, aber die Zähne können schmerzfrei behandelt werden

Entspannungstechniken und Coaching-Angebote, z.B.

  • Selbstberuhigung mit Entspannungsübungen: Progressive Muskelentspannung nach Jakobson oder Autogenes Training hilft den Patienten zu beruhigen.
  • Coaching-Angebote, z.B. die Mentale Resonanz Methode
  • Achtsamkeitsübungen: Sie haben Ähnlichkeit mit der Meditation und lenken Ihr Bewusstsein auf den Moment.
  • Atemübungen und unterstützende Entspannungsübungen und beruhigt
  • Anti-Angst-Training (AAT) hilft, nicht in Panik zu geraten.

Psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten:

  • die Systematische Desensibilisierung
  • Hypnose Regression und Auflösung der Ängste

Systematische Desensibilisierung

Systematische Desensibilisierung kommt aus der Verhaltenstherapie. In einem persönlichen Gespräch ermittelt der Therapeut den Auslösepunkt der Phobie und seine weiteren Folgen. Anhand der ermittelten Daten erstellt er eine Reizhierarchie. Gemeinsam wird die individuelle Schrittfolge analysiert und abgearbeitet.

Also zum Beispiel könnte das in folgenden Schritten ablaufen:

  • die Vorstellung an den Zahnarzt
  • dann Zahnarzt in einer Fernsehreportage,
  • jemanden anderen beim Zahnarztbesuch begleiten
  • bis hin zu einem eigenen Zahnarztbesuch.

An einem schwachen Punkt der erstellten Reizhierarchie beginnt die systematische Desensibilisierung und in einem gelösten Trancezustand wird mit dem Patienten ein angstantagonistisches Verhalten trainiert. Da unser Gehirn nicht unterscheidet, ob wir was erleben oder uns in Trance vorstellen, erlebt nun das Gehirn in einem entspannten Zustand in einer (normalerweise) stresserzeugende Situation. Stress und Entspannung sind Gegensätze. In einer Tiefenentspannung kann man keinen Stress empfinden und so gewöhnt sich das Gehirn an diesen Zustand.

Der Therapeut «programmiert» nun Schritt für Schritt die angsterregenden Situationen auf Entspannung um. Bis sich der Patient auch die schlimmste vorstellbare Situation in Trance, ganz entspannt vorstellen (erleben) kann.

Regression und Auflösung der Ängste

Ein anderer hypnose-therapeutischer Schritt ist die Regression und Auflösung. Sie führt den Patienten innerhalb einer hypnotischen Trance zurück bis an die erstmalige angsterfüllte Situation. Mit dem Vorgang einer Entkopplung lässt sich diese gespürte Angst auflösen.

Bei beiden Therapieansätzen sind die Erfolgschancen vielversprechend. Die oben genannten Techniken der psychotherapeutischen Behandlung sind kombinierbar und individuell anwendbar. Der Angstpatient lernt, in bestimmten Situationen mit seinen Gefühlen und Ängsten besser umgehen zu können.

Doch die Voraussetzung ist, dass Patienten ehrlich mit ihrer Angst umgehen und den Zahnarzt darauf ansprechen. Zahnärzte stehen vor der Herausforderung die Angst wahrzunehmen, auch wenn sie nicht kommuniziert wird.

Über den Autor:

Das ist ein Gastartikel von Daniel Hauenstein. Er ist Psychologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Angst. Er lebt und arbeitet auf Gran Canaria. In seiner Klosterfinca finden Workshops statt, und er begleitet Menschen dabei neue Perspektiven für ihr Leben zu finden.

Sollten Sie selbst in der Situation sein und Angst spüren, sprechen Sie uns bitte an.

Praxisschreiber

Hier schreiben Jessica und Aline über die Zahnarztpraxis Rudolf von Eckartsberg

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