Implantat ist nicht gleich Implantat

In der Zahnheilkunde sind Implantate künstliche Zahnwurzeln, in der Regel aus Titan, die in den Kieferknochen „eingepflanzt“ werden. Mithilfe dieser „Träger“ befestigt der Arzt einen oder mehrere künstliche Zähne. Um ein Implantat setzen zu können, braucht es genügend geeigneten Knochen an der Stelle im Kiefer, in die das Implantat hinein gesetzt werden soll. Nicht selten mangelt es an Knochenmasse. Und dennoch kann den betroffenen Patienten geholfen werden, berichtet Rudolf von Eckartsberg im Interview.

Herr von Eckartsberg, Sie versorgen Patienten mit Implantaten, deren Kiefer wenig Knochenmasse aufweist. Was bedeutet ‚zu wenig Knochenmasse‘?

Dort, wo ein Zahn fehlt, bildet sich der Knochen zurück. Das wissen viele Patienten nicht. Statt die Lücke rechtzeitig zu schließen, schieben sie neuen die unangenehme und kostspielige Versorgung mit Zahnersatz auf die lange Bank. Nach ein paar Jahren ist es dann schwierig, dort ein Implantat zu setzen.

Wie löst man dieses Problem?

Üblicherweise wird der Knochen vor der Implantation durch verschiedene Maßnahmen, zum Beispiel durch Verpflanzen von eigenem Knochen, aufgebaut. Durch den richtigen Spezialisten angewandt, sind diese Maßnahmen durchaus Erfolg versprechend. Sie sind jedoch aufwendig und kosten zusätzlich Geld.

Und hier gibt es Alternativen?

Durchaus. Ich arbeite mit Kurzimplantaten. Sie sind wesentlich kürzer als herkömmliche Implantate, teilweise nur fünf Millimeter. Zum Vergleich: Üblicherweise misst eine solche Schraube acht bis zwölf Millimeter.

Eine Faustregel besagt, dass ein Implantat mindestens so lang sein muss wie sein Aufbau, also der künstliche Zahn, der auf dem Implantat befestigt wird.

Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen, dass so genannte Kurzimplantate langfristig sehr zuverlässig sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der chirurgische Eingriff ist schonender und schneller.

Seit wann setzen Sie Kurzimplantate ein?

Kurzimplantat, 5mm gross
Nur 5mm langes Kurzimplantat. (Bildquelle: Bicon)

Seit 2011. Ich hatte einen Patienten, der sich festsitzenden Zahnersatz im Unterkiefer wünschte. Das hätte ohne Implantate nicht funktioniert. In diesem Kieferabschnitt war der Knochen aber so weit abgebaut, dass ich mich außerstande sah, dort Implantate zu setzen. So verwies ich den Patienten an einen Kieferchirurgen für eine Knochenaugmentation, also einen chirurgischen Knochenaufbau.

Der Patient kam zurück und meinte, er wolle diese Operation keinesfalls durchführen lassen: „Herr Doktor, überlegen Sie sich was!“

Kurz danach lernte ich auf einem Kongress ein amerikanisches Implantat-System kennen, das bislang in Europa nur wenig bekannt cheap MLB jerseys war. So kam ich zu den Kurzimplantaten.

Wie ging es mit Ihrem Patienten weiter?

Nun, ich habe den Patienten über diese Möglichkeit in Kenntnis gesetzt. Er war einverstanden, dass ich Kurzimplantate bei ihm, für mich zum ersten Mal, verwende. Es hat wunderbar geklappt, der Patient Torch ist mit seinen neuen, Implantat-gestützten Zähnen hochzufrieden.

Seitdem verwende Cleveland Browns jerseys ich Kurzimplantate sehr häufig.

Implantate sind eine kostspielige Angelegenheit.

Das ist natürlich relativ. Aber ein Implantat ist extrem langlebig. Es hält im Durchschnitt 25 Jahre. Im Vergleich dazu: Ein Badeurlaub im Viersternehotel ist teurer, aber der ‚hält‘ nur zwei Wochen.

Warum sollte ich auf Implantate setzen. Konkret: Was ist der Vorteil von Implantaten gegenüber anderem Zahnersatz wie zum Beispiel einer Brücke?

Bei Brückenzahnersatz müssen die Nachbarzähne beschliffen werden, was diese natürlich schädigt, und das Risiko einer späteren Wurzelbehandlung nach sich ziehen kann. Außerdem ist die Mundhygiene in dieser Region erschwert. Das begünstigt Karies und Parodontitis.

Ein Implantat-gestützter Zahnersatz kommt hier der natürlichen Situation viel näher, sowohl in Funktion als auch in der Hygienefähigkeit.

Ist also der Aufbau von Knochen Schnee von gestern?

Nein, es gibt Situationen, in denen auch die Kurzimplantate ihr Grenzen haben. Im Frontzahnbereich zum Beispiel. Hier setze ich lieber auf andere Implantat-Methoden. Die Frontzähne erzeugen nicht nur senkrechten Druck wie die Backenzähne. Hier entstehen auch Drehbewegungen. Übrigens: Genau genommen, wird auch bei Verwendung des Kurzimplantaten konstruktionsbedingt etwas Knochen aufgebaut, JTL aber nur im geringen Maße.

Der Einsatz von Kurzimplantaten ist in Deutschland noch nicht sehr verbreitet.

Stimmt. Soweit ich weiß, bin ich in München einer von etwa 30 Zahnärzten, die diese Implantate einsetzen. Mit steigender Tendenz.

Die Kurzimplantate wurden in den 1970er Jahren im Auftrag des amerikanischen Militärs entwickelt.

Ja, eine tolle Geschichte! Die vielen Verwundeten aus Vietnam sollten schnell und kostengünstig mit Zahnersatz versorgt werden können. Heute werden sie weltweit eingesetzt. Angeblich werden die Implantate aber immer noch in der ursprünglichen Munitionsfabrik hergestellt.

Vielen Dank, Herr von Eckartsberg.

Praxisschreiber

Hier schreiben Jessica und Aline über die Zahnarztpraxis Rudolf von Eckartsberg

2 comments on “Implantat ist nicht gleich Implantat

  1. siegle 26. Oktober 2015 / Reply

    ist ein Kurzimplantat im Unterkiefer bei einer Knochenhöhe von ca 4mm machbar?

    • Rudolf von Eckartsberg 27. Oktober 2015 / Reply

      …im Prinzip ja, mit einem entsprechend kurzem Implantat.\r\nWie so oft lässt sich aber die Frage nicht pauschal beantworten, man muss die individuelle Situation anschauen, erst dann kann man eine eindeutigere Antwort machen.

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